Lernstationen

  • ? Stationenlernen - Lernstationen ?
    Bringt das was? Ich meine: Jein.
    Ist das Lernen in, an oder mit Lernstationen selbstbestimmtes Lernen oder Lernen nach Anweisung? Wie steht es mit der "primären Motivation"? Warum lerne ich (als Schülerin, als Schüler)? Weil ich mehr über eine Sache wissen will? Brauche ich dazu Angaben über ein Pflichtpensum und über wahlfreie "Aufgaben"?

    Wer diese "Fundgrube-Physik-Chemie" aufmerksam liest, weiß, dass ich ein überzeugter Verfechter des forschend-entwickelnden Unterrichtsverfahrens bin - ob es nun um Physik- oder Chemie-Inhalte geht oder um technische Aspekte, bei denen es um die Variante des (Nach-)Erfindens geht. Das bedeutet nicht, dass ich dafür plädiere, jedes Thema auf diese Weise zu erarbeiten und dass das forschend-entwickelnde Unterrichtsverfahren immer einzusetzen ist...
    Nicht immer, aber immer öfter. (Über die Vorzüge dieses Verfahrens informieren sie sich bei den Autoren unter "Literatur".)

    Unabdingbar aber, sozusagen das Hauptkriterium, ist für mich der Grad der Schülerorientierung. Jede methodische Einseitigkeit nimmt einem (naturwissenschaftlichen) Unterricht seine Lebendigkeit, seine Vielseitigkeit, seine Variierbarkeit und geht damit an Schülerinnen und Schülern vorbei. Das gilt natürlich auch für das forschend-entwickelnde Unterrichtsverfahren - aber eben auch für jede andere Vorgehensweise. Das forschend-entwickelnde Unterrichtsverfahren hat aber den Vorteil, dass es prinzipiell schülerorientiert angelegt ist.
    Schülerorientierter Unterricht muss der Schülerin / dem Schüler mehr Spielraum lassen als "die Wahl zwischen Pest und Cholera".
    Also, bezogen auf "Lernstationen", mehr Spielraum als die Wahl, mit welcher Station ich beginne, welche dann folgt ... und welche Wahlaufgaben ich bearbeite - wobei bereits die Wahl der Reihenfolge keine echte Wahl ist, denn wer zuerst kommt, mahlt zuerst (oder so ähnlich). "Stationenlernen" ist für mich nur akzeptabel, wenn kreative Herausforderungen für Schülerinnen und Schüler eingebaut sind, die sich primär aus der Sache selbst ergeben. Also nicht "kreativ puzzeln", um eine Arbeitsanweisung, die sich auf der Rückseite eines zerschnittenen Bildes befindet, entziffern zu können, sondern kreativ ein Experiment variieren, um noch mehr über den Sachverhalt oder die Bedingungen zu erfahren (siehe etwa mein Beispiel "Lernstationen Energieumwandlung").

    Das Lernen an Lernstationen kann eine von mehreren brauchbaren Unterrichtsmethoden sein, die man in Betracht ziehen kann, um den Unterricht lebendig zu gestalten - doch ist genau zu prüfen, ob genügend Schülerorientierung gewährleistet werden kann. Die ist anzusiedeln zwischen zwei Polen: zwischen dem leistungsorientierten (Gymnasial-)Schüler, der alles lernt, was man von ihm fordert (denn er will ja schließlich mal Zahnarzt werden und viel verdienen und braucht dazu gute Noten) und dem dem Lustprinzip folgenden (Gesamt-)Schüler, der nur lernt, was ihm Spaß macht (fun und event und das möglichst non-stop): der Reiz einer Fragestellung, die zu klären man interessant findet und wozu man seinen eigenen Grips (etwas) anstrengen muss - primäre Motivation um der Sache selbst willen.


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    Quelle: www.fundgrube-physik-chemie.de