Sach- und Lernstrukturen 


Diese Graphik (nach Berendt in NiU 28/1995) veranschaulicht ein einfaches Beziehungsgeflecht, das noch weitgehend lineare Struktur hat, das aber vielfach aussagekräftiger ist als ein (strukturierter) Text.
Ich selbst kann Zusammenhänge deutlicher und nachhaltiger erfassen, wenn sie graphisch strukturiert sind. Das hängt zusammen mit den "Lerntypen" wie sie Vester beschreibt (siehe "Literatur"); so gesehen bin ich mehr ein "visueller" Typ.
Wenn ich in einer fremden Stadt bin, kaufe ich mir als erstes einen Stadtplan und suche darauf meinen Standpunkt. Von dort aus kann ich gezielt und sicher meine Unternehmungen durchführen, ohne die Orientierung zu verlieren. Wenn wir mit dem Auto in einer fremden Stadt unterwegs sind, lasse ich meine Frau ans Steuer und übernehme den Stadtplan; so funktioniert es fehlerfrei - anders herum ginge es nicht, denn meine Frau ist weniger "visuell" veranlagt.

Aber Sachstrukturen sollen nicht (nur) als Orientierungspläne dienen, sondern sie sollen auch helfen, das Beziehungsgeflecht durchschaubar zu machen. Meist ergeben sich netzartige Strukturen. Da wir zwar lineare Strukturen  recht gut, aber "vernetzte" kaum handhaben können, ist es äußerst hilfreich, wenn wir uns mit diesen vernetzten Strukturen auseinandersetzen, um einem "vernetzten Denken" einen Schritt näher zu kommen.

Wer einmal eine Probe seiner Fähigkeit, vernetzt zu denken, erleben will, dem empfehle ich das Spiel "Ökolopoly" von Frederic Vester. Dort muss ein Land durch vielfältige gezielte Maßnahmen "entwickelt" werden. Die Unfähigkeit, vernetzt zu denken, erkennt man am baldigen Ruin, in den man das Gemeinwesen manövriert - was übrigens unabhängig ist vom eigenen Bildungsstand. Erst nach mehreren Spieldurchgängen versteht man, die Abhängigkeiten erfolgreich zu handhaben.

Dieses Beispiel aus "Praxis Schule 2/92" von Westermann zeigt an einem ganz einfachen Beispiel, wie sinnvoll die Beschäftigung mit derartigen "Beziehungen" sein kann. Man nimmt einen beliebigen Stein in die Hand, sieht und spürt ihn und schreibt spontan auf, was einem dazu einfällt. Mit den sich ergebenden sieben Eindrücken lässt sich eine Geschichte schreiben oder ein Gedicht - man kennt den "Gegenstand" jetzt besser.
Ähnlich verfährt man mit Unterrichts-"Gegenständen":
Im brainstorming-Verfahren sucht man nach möglichst vielen zugehörigen Begriffen, zieht noch Bücher oder andere Quellen zu Rate oder auch Fachkolleginnen oder Fachkollegen. Zum Physik-Thema "Optik/Reflexion" ergeben sich auf diese Weise Stichworte, von denen nur die didaktisch sinnvollen in Kärtchenform aufgeschrieben werden, etwa so:

Dies ist ein Teil der gefundenen ("didaktisch reduzierten") Stichworte
Nun beginnt eine Puzzle-Arbeit: die Kärtchen gilt es anzuordnen, so dass die Beziehungen untereinander durch Verbindungsstriche oder -pfeile kenntlich gemacht werden können. Für dieses Beispiel haben wir eine 50 mm starke Styroporplatte benutzt mit Glaskopf-Stecknadeln. Überschneidungen sollten möglichst nicht vorkommen (also nochmal umstrukturieren!), lassen sich aber häufig nicht ganz vermeiden.

Dies ist ein Ausschnitt der "mühevollen Kleinarbeit"
Wenn man mit der Strukturierung zufrieden ist, klebt man die Kärtchen auf, bildet Blöcke, zeichnet Pfeile usw. je nach Notwendigkeit oder nach gestalterischen, optischen Gesichtspunkten. Ziel ist es, ein informatives und überschaubares Sachstrukturdiagramm zu entwerfen, in dem einem selbst die Beziehungen der Stichworte untereinander oft in einem neuen oder erhellenderem Licht erscheinen.
Im nächsten Schritt kann man sich die Stichworte heraussuchen, die im Unterricht tatsächlich behandelt werden. Das sind oft weniger als die Hälfte. Man weiß nun aber, wo im Beziehungsgeflecht sie stehen und kann auf Schülerbeiträge flexibel reagieren: man hat sich das gesamte Sachgebiet auf der Begriffsebene erarbeitet.
Allerdings: mit weniger Stichworten klappt das auch -
fragt sich nur, wie intensiv dann die Auseinandersetzung mit der Gesamtthematik ist:

(aus: Wissensspeicher Physik)
Nun gilt es, eine Lernstruktur festzulegen. Die kann gesehen werden als (zeitlich) linearer Unterrichtsgang, wenn unbedingt auf Voraussetzungsgebundenheit zu achten ist, oder man entwirft eine Bausteinplanung, wenn es nicht unbedingt auf eine Reihenfolge ankommt; dadurch kann man schülerorientierter in die Thematik einsteigen und sogar die Schülerinnen und Schüler am Festlegen der Reihenfolge der Einzelstunden beteiligen
Aus dem Darstellten wird eines deutlich: der Weg ist auch hier ein Teil des Ziels.
"Fertige" Sachstrukturdiagramme geben einem meist wenig - häufig weiß man nicht, welche Intentionen dahinterstanden oder welch enger oder weiter Sachbereich für welches Niveau mit welcher Kleinschrittigkeit hierdurch erhellt werden sollte.
Wenn ich dennoch Sachstrukturdiagramme zum "download" anbiete, dann als Beispiele, welche Vielfältigkeit der Darstellungen sich ergeben kann und welche unterschiedliche Ausprägung sie annehmen können.

Man kann sich natürlich auch mit ihnen auseinandersetzen, neue Anordnungen entwerfen oder die vorhandene Struktur durch eigene Stichwörter ergänzen...

Unter "download" liegen solche Beispiele bereit.


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Quelle: www.fundgrube-physik-chemie.de